Übergewicht - Körperliche Folgen
© PhotoDiscZahl der Dicken steigt
Übergewicht bei Kindern ist erst vor einigen Jahren in den Fokus gerückt. Seitdem stufen Experten die Fettsucht (Adipositas) als chronische Krankheit ein und nicht nur als Abweichung von der Norm. Was viele nicht wissen: Jährlich sterben Tausende aufgrund von Übergewicht und den Folgeerkrankungen. Adipositas ist damit die zweithäufigste Todesursache.
In allen Industrienationen nimmt die Zahl der übergewichtigen Kinder zu. In Deutschland sind etwa 11 bis 15 Prozent aller Kinder und Jugendlichen übergewichtig. Auch das Ausmaß der Adipositas steigt deutlich an, das heißt, die dicken Kinder legen immer mehr an Gewicht zu - zur Zeit sind es etwa sechs Prozent.
Übergewichtige Sprösslinge haben ein deutlich erhöhtes Risiko für andere Krankheiten wie Diabetes oder Gelenkverschleiß. Dieses Risiko bleibt bis ins Erwachsenenalter bestehen. Auch das Risiko für Arteriosklerose und damit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist stark erhöht.
Diabetes
Früher wurde der Typ-2-Diabetes auch Altersdiabetes genannt, weil er nur bei älteren, vor allem übergewichtigen Menschen auftrat. Mittlerweile gibt es immer mehr Kinder mit Typ-2-Diabetes. Die Ursachen sind Übergewicht und mangelnde Bewegung, die zu einem verminderten Ansprechen der Körperzellen auf das Hormon Insulin führen.
Etwa sieben Prozent aller adipösen Jugendlichen können Kohlenhydrate nicht mehr richtig verwerten. Mediziner sprechen von einer Glukosetoleranzstörung, der Vorstufe von Diabetes. Die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit Typ-2-Diabetes ist in den letzten Jahren deutlich angestiegen: Zurzeit werden in Deutschland ungefähr 200 Neuerkrankungen jährlich registriert.
Fettstoffwechselstörung
Übergewicht führt häufig dazu, dass das sich die Anteile der Blutfette verändern: Der Wert des sogenannten schlechten LDL-Cholesterins steigt und der des sogenannten guten HDL-Cholesterins sinkt. Dadurch erhöht sich das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Etwa 25 Prozent der übergewichtigen bis adipösen Kinder und Jugendlichen haben Fettstoffwechselstörungen.
Gallensteine
Einige der übergewichtigen Kinder und Jugendlichen bekommen Gallensteine: Eine typische Erkrankung bei Menschen mit zu viel Cholesterin im Blut.
Bluthochdruck
Es ist nicht selten, dass übergewichtige bis adipöse Kinder und Jugendlichen Bluthochdruck haben. Bei Kindern muss der Blutdruck unbedingt mit einer speziellen Manschette gemessen werden, die sich an der Größe des Oberarms orientiert. Bluthochdruck erhöht das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und kann Nieren und Augen schädigen.
Metabolisches Syndrom
Tritt bei Übergewichtigen eine Fettstoffwechselstörung zusammen mit Diabetes und Bluthochdruck auf, spricht der Arzt von einem Metabolischen Syndrom. Im englischsprachigen Raum wird die Krankheit auch als tödliches Quartett bezeichnet, da sie das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall erheblich erhöht. Manche übergewichtigen Kinder haben eine entsprechende Konstellation von Risikofaktoren. Eine etablierte Definition des Metabolischen Syndroms für das Kindes- und Jugendalter gibt es bisher aber nicht.
Fettleber
Bei adipösen Kindern und Jugendlichen kann die Leber in Mitleidenschaft gezogen werden. Es entwickelt sich eine sogenannte Fettleber: Durch langandauernde, zu fetthaltige Ernährung verfettet die Leber. Dies begünstig Entzündungsreaktionen und andere Lebererkrankungen. Etwa jedes vierte bis fünfte übergewichtige Kind bekommt eine Fettleber. Im Einzelfall kann sich unter Umständen eine Leberzirrhose entwickeln.
Entwicklungsstörungen
Übergewicht kann zur frühzeitigen Pubertätsentwicklung bei Mädchen führen. Der Grund sind vermutlich Hormone, die das Fettgewebe bildet. Im weiteren Verlauf leiden dicke Mädchen häufiger unter einer übermäßigen Behaarung (Virilisierung) und Zyklusstörungen. Seltene oder ausbleibende Monatsblutungen sind bei dicken Mädchen vier- bis fünfmal häufiger als bei schlanken.
Schlafapnoe-Syndrom
Bei vielen dicken Kindern kommt es nachts zu Atemaussetzern (Apnoen) wodurch der Sauerstoffgehalt des Blutes sinkt. Die Kinder bemerken davon nichts. Schlafapnoe kann die schulischen Leistungen von Kindern aber erheblich beeinträchtigen. Da die nächtliche Regeneration gestört ist, kommt es zu chronischer Tagesmüdigkeit, Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen und Gereiztheit.
Orthopädische Probleme
Adipositas verstärkt Fußdeformitäten (z.B. Spreiz- oder Senkfuß), Hüftgelenksveränderungen und schwerwiegende Abweichungen von der korrekten Gelenkachse, also etwa X- oder O-Beine. Dadurch steigt die Gefahr, vorzeitig an Arthrose zu erkranken. Bei Kindern werden Belastungen vor allem durch Deformitäten kompensiert, so dass Arthrosen mit starken Schmerzen erst später auftreten.
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