Hautkrebs
Die Haut-Fahnder
Hautkrebs ist eine tödliche Bedrohung. Die Neuerkrankungsrate klettert weltweit steil, weil Braunsein immer noch als schön gilt und viele sorglos in der Sonne braten. Die gezielte Tumorsuche soll das ändern
© dmux/photocase.comDie Hollywood-Schauspielerin Nicole Kidman meidet die Sonne. Die blasse Schönheit tut dies allerdings nicht aus Sorge um ihren hellen Teint, sondern aufgrund einer Hautkrebs-Erkrankung. "Ich hatte Hautkrebs am Bein und gehe kaum noch in die Sonne", sagte die Australierin gegenüber "teenhollywood.com". Der Tumor sei aber ganz entfernt worden. Auch bei der Schauspielerin Melanie Griffith wurde Ende vergangenen Jahres Hautkrebs entdeckt - im Frühstadium. Es seien keine weitere Komplikationen zu erwarten, sagt ihr Sprecher. Der Musiker James Last lebt seit 27 Jahren mit der tückischen Bedrohung, auch er hat Hautkrebs. "Natürlich war das ein Riesenschock für mich", sagte Last, "vier Krebsgeschwüre sind mir rausgeschnitten worden. Aber ich bin ja viel zu leichtsinnig mit Sonne umgegangen und habe dann auch die Quittung dafür bekommen." Der Handballer Oleg Velyky lebte mit dem Hautkrebs nur 32 Jahre. Er starb im Januar 2010.Plantschen im T-Shirt
Allein in Deutschland erkrankten jährlich 195.000 Menschen neu an Hautkrebs, 24.000 davon an dem besonders bösartigen Schwarzen Hautkrebs, berichtet die Deutsche Krebshilfe. Hautkrebs führt damit in Deutschland die Rangliste der häufigsten Krebserkrankungen an. Auch in Ländern wie den USA, Australien und England ist das so. Ausgiebige Sonnenbäder, Sonnenbrände - vor allem in der Kindheit - und häufige Besuche im Solarium lassen die hautkrebszahlen in die Höhe schnellen. Außerdem erkranken immer mehr jüngere Menschen an bösartigen Hauttumoren. Seit 2009 gibt es deshalb hierzulande ein Solarium-Verbot für Minderjährige.
In Deutschland klettert die Rate der Neuerkrankungen stetig, in Australien sinkt sie langsam. "Die Aufklärung hat hier gewirkt", sagt Dr. Marion Moers-Carpi, Fachärztin für Dermatologie in München im NetDoktor.de- Gespräch. "Der Sonnenschutz wurde dort in die Köpfe gepflanzt. Hut und Sonnencreme, das gibt es in jedem Kindergarten." Auf dem fünften Kontinent ist die Sonne eher Feind als Freund. Australien hat die höchste Hautkrebsrate der Welt, der Grund ist das Ozonloch. Jeder Dritte, der in Down Under geboren und aufgewachsen ist, müsse sich irgendwann im Leben wegen Hautkrebs behandeln lassen, prognostizieren Experten. "Slip Slop Slap - Zieh' Dir ein Hemd an, schmier' Dich mit Sonnenschutz ein, setz' Dir 'nen Hut auf." - das lernt in Australien jedes Kind. Genauso wie blasse Haut und Sonnenschutz als attraktiv gilt und an jedem Strand Warnschilder stehen.
Hitzedurstige Deutsche
Anders in Deutschland. Jedes Jahr warnen Krebs- und Hautärzte fast gebetsmühlenartig vor zu viel Sonne. Empfohlen sind nicht mehr als 50 Sonnenbäder pro Saison, "und die hat man schnell zusammen", weiß Moers-Carpi. Pralle Sonne meiden, im Schatten bräunen, Sonnenschutzmittel, Sonnenbrille, Kopfschutz, Bermudas, T-Shirt - und letzeres auch beim Baden anlassen, lauten die Tipps. Die Deutschen aber brutzeln sich weiter unbeirrt. Die UV-Strahlung - ob aus natürlicher oder künstlicher Quelle wie den Solarien - sorgt zwar für heiß begehrte Bräune, gilt aber als Hauptursache für Hautkrebs. Die Strahlung schädigt Zellen und Erbgut und lässt die Haut altern - auch ohne Sonnenbrand. Schafft der Körper die Schadensreparatur nicht, kann sich aus den lädierten Hautzellen Krebs entwickeln.
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Schwarz und weiß
Hautkrebs hat verschiedene Gesichter. Die gefährlichste Hautkrebsart ist das Maligne Melanom. Seine Krebszellen breiten sich leicht und rasend schnell über das Lymphsystem aus. "Diese Hautkrebsform bildet sehr früh Metastasen in anderen Organen", erklärt Moers-Carpi. Schwarzer Hautkrebs entwickelt sich in 40 Prozent der Fälle aus einem bestehenden Muttermal heraus, aber in 60 Prozent entsteht er als ganz neuer Fleck. "Das wissen viele gar nicht", sagt die Dermatologin, "bei Frauen ist das oft an den Beinen, bei Männern am Rücken." Eine Rolle spielen auch die Anzahl der Muttermale und der Hauttyp. "Wer mehr als 50 Male hat und ein heller Hauttyp ist, hat ein höheres Risiko als der italienische Typ."
Häufiger, aber nicht ganz so gefährlich sind die hellen bzw. weißen Hautkrebsarten: Basalzellkrebs und Stachelzellkrebs. Die erste Form macht etwa 80 Prozent aller Fälle von weißem Hautkrebs aus und trifft Männer und Frauen zwischen 50 und 60 gleichermaßen. Stachelzellkrebs tritt um das 70. Lebensjahr am häufigsten auf, Männer erkranken öfter als Frauen. Optisch sind sie an der bräunlichen bis rötlichen Farbe der Male erkennbar. "Der weiße Hautkrebs bildet in der Regel keine Absiedelungen, das ist das Gute", sagt die Hautspezialistin.
Der frühe Vogel fängt den Wurm
Wird der Hautkrebs früh entdeckt, ist er in vielen Fällen heilbar. "Ein Malignes Melanom im Stadium eins ist zu 97 Prozent heilbar, in den Stadien drei oder vier sind es 30 Prozent und weniger." Seit zwei Jahren gibt es in Deutschland deshalb ein Hautkrebs-Screening. Jeder gesetzlich Versicherte ab 35 Jahren hat alle zwei Jahre Anspruch auf einen Haut-Check. Bislang hätten sich rund elf Millionen Versicherte untersuchen lassen, berichtet die Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP). Anspruch darauf haben rund 45 Millionen Menschen.
Die Tumorsuche der Hausärzte und Dermatologen geschieht in der Regel per Augenschein. Unter die Lupe genommen wird die gesamte Haut, inklusive Augen, Lider, Fußsohlen, Zehenzwischenräume, Kopf- und Mundschleimhaut. Es kann aber auch eine elektronischen Hochleistungs-Handkamera eingesetzt werden, die Muttermale und Hautveränderungen mit mikroskopischer Auflösung fotografiert und archiviert. Die Daten werden anschließend im Computer analysiert. Grundlage für die Einteilung in Gut und Böse ist die ABCD-Regel. "Wir schauen, ob das Muttermal eine Achse hat und spiegelbar ist, ob es ausgefranst ist und welche Größe und wie viele Farben es hat", erklärt Moers-Carpi. "Dann sehen wir, ob es eher im grünen oder roten Bereich ist." "Grün" steht dabei für harmlos, "rot" für verdächtig. Die Ärztin hat mittlerweile eine Datenbank mit rund 300.000 Hautfotos. So könne man im nächsten Jahr vergleichen, ob und wie sich ein Muttermal entwickelt habe.
Der wissenschaftliche Beweis, ob durch das Hautkrebs-Screening tatsächlich Menschenleben rettet, steht noch aus. Denn genaue Zahlen zur Veränderung der Häufigkeit und Sterblichkeit von Hautkrebs bei Screening-Teilnehmern liegen noch nicht vor. Klar ist aber, die die Heilungschancen umso besser sind, je früher der Hauttumor entdeckt wird.
Alt und krank
Wie zufrieden die Patienten mit dem Hautkrebs-Screening sind, ergab eine Online-Umfrage unter mehr als 500 Teilnehmern. Die Mehrheit bewertete die Untersuchung als positiv: 80 Prozent wollen erneut am Hautkrebs-Screening teilnehmen, etwa 50 Prozent haben die Untersuchung schon in ihrem Umfeld weiterempfohlen und weitere 35 Prozent planen, dies noch zu tun. Nicht ganz gelungen sei die Durchführung der standardisierten Ganzkörperuntersuchung sowie die Beratung. "Hier scheint es einen gewissen Verbesserungsbedarf zu geben, meint Prof. Eckhard Breitbart von der ADP. Auch James Last muss alle sechs Monate zum Haut-Check, hat aber keine Angst vor einem neuen Tumor. "Nach 20 Jahren gewöhnt man sich daran, damit zu leben. Davon lasse ich mich nicht unterkriegen." Und Nicole Kidman rät: "Bleibt weg aus der Sonne, sie macht alt und krank."
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