Körperscanner

Nackt bis auf die Haut

Wer mit dem Flugzeug reist, muss schon jetzt zahlreiche Sicherheitsmaßnahmen über sich ergehen lassen. "Nacktscanner" treiben die Kontrollen womöglich bald auf die Spitze - mit bislang unbekannten Auswirkungen auf die Gesundheit.

Körperscanner, Nacktscanner © US Transportation Security Administration

Ganzkörperscanner - noch vor drei Monaten stießen sie auf breite Ablehnung. Weder Politiker noch Sicherheitsexperten, weder Datenschützer noch Kirchen wollten die neuen Geräte an Flughäfen sehen. Das Bundesinnenministerium hatte sie für Deutschland noch im Oktober ausgeschlossen, eine Sprecherin nannte die Scanner "Unfug". Doch nach dem versuchten Terroranschlag auf einem Flug von Amsterdam nach Detroit am ersten Weihnachtsfeiertag 2009 kippte die Stimmung: Die Niederlande wollen künftig alle USA-Reisende mit "Nacktscannern" kontrollieren, und auch in der Bundesregierung mehren sich die Stimmen, die ihren Einsatz befürworten.

Kritiker der Körperscanner führen drei grundsätzliche Einwände an: Zum ersten verletzten die Bilder die Intimsphäre, da sie die Körperkontur detailliert wiedergeben. Insbesondere bei Kindern ist der Blick unter die Kleidung äußerst fragwürdig. Zum zweiten befürchten Experten, dass die Scanner die Sicherheit kaum erhöhen, da genug Verstecke für Waffen und Sprengstoff bleiben. Und schließlich ist bislang ungeklärt, welche gesundheitlichen Konsequenzen die Körperscanner haben können.

Dreierlei Einblick

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) klagt über Geheimniskrämerei der Hersteller, die kaum technische Details zu den Ganzkörperscannern preisgeben würden. Eine erste Einschätzung gibt das BfS dennoch. Dabei unterscheidet das Institut drei verschiedene Technologien bei den Scannern.

Röntgen-Scanner

Die größte Gesundheitsgefahr geht von Geräten mit Röntgenstrahlen aus. Im Sicherheitsbereich kommen zwar deutlich geringere Strahlendosen zum Einsatz als beispielsweise bei medizinischen Untersuchungen. Dennoch sind gesundheitliche Folgen nicht völlig auszuschließen. Röntgenstrahlen können das Erbgut schädigen und im Extremfall Krebs auslösen.

Derzeit werden Röntgen-Scanner vereinzelt in den Vereinigten Staaten eingesetzt. Modernere Körperscanner, wie sie womöglich in der Europäischen Union Verwendung finden werden, setzen hingegen Strahlung im Terahertz-Bereich ein.

Aktive Terahertz-Scanner

Terahertzstrahlung besitzt eine größere Wellenlänge als Röntgenstrahlung und liegt im elektromagnetischen Spektrum zwischen Infrarotlicht und Mikrowellen. Sie ist schonender zum Gewebe, da sie keine freien Radikale erzeugt, also aggressive Sauerstoffverbindungen, die Zellprozesse stören und Zellkerne schädigen können. Allerdings zeigten erste Studien, dass Terahertz-Scanner die oberen Hautschichten erwärmen - ähnlich wie Handys. Forscher, die Gewebeproben länger als eine Stunde im Terahertz-Bereich bestrahlten, stellten zudem Veränderungen in den weißen Blutkörperchen fest.

Die kurze Dauer der Sicherheitsscans macht es unwahrscheinlich, dass sich die Terahertzstrahlung negativ auf den Körper auswirkt - ausgeschlossen ist es jedoch nicht. Sowohl beim Bundesamt für Strahlenschutz als auch der Bundespolizei laufen derzeit Untersuchungen, die das Gesundheitsrisiko und die Einsatztauglichkeit der Geräte beurteilen sollen. Mit ersten Ergebnissen wird Ende 2010 gerechnet. Auch das Bundesforschungsministerium fördert mehrere Studien zur neuen Sicherheitstechnik, die noch dieses Jahr Erkenntnisse liefern sollen.

Passive Terahertz-Scanner

Eine elegante Möglichkeit, praktisch alle gesundheitlichen Bedenken gegenüber den Körperscannern auszuräumen, bieten sogenannte passive Terahertz-Scanner. Sie bestrahlen die untersuchte Person nicht selbst. Stattdessen werten die Geräte lediglich die Terahertzstrahlung aus, die jeder Mensch natürlicherweise abstrahlt.

Diese natürliche Körperstrahlung ist von geringer Intensität und streut in alle Richtungen, was eine Auswertung zu Sicherheitszwecken schwierig macht. Verschiedene Firmen - unter anderem aus Deutschland - versprechen jedoch, inzwischen auch mit dieser Technik Sprengstoff und Waffen zuverlässig aufspüren zu können. Da passive Scanner die Strahlenbelastung der Reisenden nicht ansteigen lassen, werden sie von den Experten des BfS empfohlen.

Blick in den Intimbereich

Unabhängig vom Gerätetyp bleibt der Vorwurf, die Scanner würden die Intimsphäre des Durchleuchteten verletzen. Neben Speckröllchen und Genitalien treten auch Prothesen, künstliche Darmausgänge und Intimpiercings auf den Bildern zutage. Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar lehnt deshalb den Einsatz der Körperscanner ab. "Ich habe bisher noch kein Gerät gesehen, das die Persönlichkeitsrechte wahrt", sagte Schaar der Frankfurter Rundschau.

Die Hersteller der Scanner reagieren auf die Kritik. Bereits die Geräte, die seit Dezember 2009 am Amsterdamer Flughafen Urlauber virtuell entkleiden, machen die genaue Körperkontur unkenntlich. Die intelligente Software hebt nur verdächtige Teilbereiche hervor, die dann unter die Lupe genommen werden können. Mit künftigen Scannern sollen die Kontrollen vollautomatisiert ablaufen - ähnlich wie bei den Schleusen der Metalldetektoren.

Sicherer, nicht sicher

Vollständige Sicherheit vor Terroranschlägen gewähren auch die Ganzkörperscanner nicht. Sie können neben Metalldetektoren und Gepäckscannern nur ein weiteres Puzzleteil im Sicherheitskonzept der Flughäfen sein. Die größte Schwachstelle der neuen Geräte ist ihre Unfähigkeit, in den Körper hineinzuschauen. Ihr Blick dringt nur wenige Millimeter tief in die Haut ein - was in Darm oder Vagina versteckt wird, bleibt auch ihnen verborgen.Körperscanner, Nacktscanner

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