Übergewicht

Fett - Der braune Schlankmacher

Das ungeliebte weiße Schwabbelfett hat einen schlankmachenden Verwandten: braunes Fettgewebe. Es sorgt dafür, dass der Körper Energie in Wärme umwandelt. Erwachsene haben nur wenig davon - das wollen Forscher ändern

braunes Fett, Fettgewebe, Weißes Fett© dkfzBraunes Fettgewebe ist ein echter Schlankmacher: Es sorgt dafür, dass überschüssige Pfunde verbrannt werden, die der Körper als weißes Fett gespeichert hat. Kälteempfindliche Säuglinge, aber auch Tiere, die Winterschlaf halten, besitzen größere Mengen davon. Beim erwachsenen Menschen sieht das leider anders aus. Die Masse des braunen Fetts sinkt mit dem Alter, fanden Tübinger Forscher.* Und dies sei auch ein Grund, warum ältere Menschen oft Schwimmreifen mit sich herumschleppen. Männer verlieren mit den Jahren sogar noch mehr braunes Fett als Frauen. Das Altern beeinflusst diesen Prozess also unterschiedlich.

Fett weg ohne Diät

Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums wollen nun braunes Fettgewebe im Körper übergewichtiger Menschen anreichern.** Schon geringe Mengen bewirken, dass der Körper langfristig Körperfett verfeuert - ganz ohne Diät. Den Schlüssel liefert vielleicht das Entzündungshormon COX-2, eine alt bekannte Substanz. Das Hormon steuert die Bildung sogenannter Prostaglandine, die unter anderem für die Schmerzentstehung verantwortlich sind. Sie beeinflussen aber auch die Produktion bestimmter Enzyme, welche die Arbeit der zelleigenen Energiekraftwerke (Mitochondrien) steuern.

Seit Langem weiß man, dass äußere Einflüsse die Bildung von braunem Fettgewebe bei Tieren anregen können. Werden Nager beispielsweise bei kalten Temperaturen gehalten, so bilden sich inmitten ihres weißen Fettgewebes Nester aus braunen Fettzellen. Auch Menschen können unter Kälteeinfluss Extraportionen braunen Fettes bilden. "Dass braunes und weißes Fett überhaupt vergesellschaftet vorkommen, wissen wir erst seit Kurzem", erklärt Dr. Karin Müller-Decker, Co-Autorin der Studie, im NetDoktor.de-Gespräch. Anders als die Depots aus braunem Fett, die von Geburt an vorhanden sind, könnten sich die braun-weißen Fettmixturen auch später bilden.

Dicke Fettschmelze

Die Heidelberger Wissenschaftler entdeckten nun, dass Mäuse in der Kältekammer tatsächlich mehr COX-2 produzierten als üblich. Kurbelten die Forscher die COX-2-Produktion durch einen molekularbiologischen Trick an, bildeten die gentechnisch veränderten Tiere auch bei normalen Temperaturen mehr COX-2. Diese so "gedopten" Nager hatten ein um 20 Prozent geringeres Körpergewicht als ihre normalen Artgenossen. Auch als die Forscher sie mästeten, wurden sie nicht fett. Schalteten die Wissenschaftler dagegen den genetischen Schalter für die Bildung COX-2 im weißen Fettgewebe ab, blieb die Kältekur wirkungslos: Die Großproduktion von braunem Fett blieb aus.

Option für menschliche Moppel?

Nun wollen die Forscher prüfen, ob COX-2 auch beim Menschen eine Schlüsselrolle für die Bildung des braunen Fetts spielt. Die Zukunftsvision: Schwer übergewichtigen Personen weißes Fettgewebe entnehmen, im Labor die Bildung brauner Fettzellen mithilfe von Prostaglandinen anregen und den Patienten das Eigenfett zurück transplantieren. Schon eine geringe Menge von etwa 50 Gramm braunen Fettgewebes reiche aus, um den Energieumsatz eines Menschen um 20 Prozent zu steigern, schätzen die Forscher. Im Laufe eines Jahres ließen sich somit bis zu 20 Kilo Speck verbrennen.

Dass COX-2, das für die Umwandlung der Zellen benötigt wird, Schaden etwa an den Blutgefäßen anrichten könnte, sei nicht zu befürchten. "Die Stoffe bauen sich schon wieder ab, bevor das Fett zurücktransplantiert wird", erklärt Müller-Decker. Erste Hinweise, dass COX-2 auch das menschliche Gewicht beeinflussen kann, gibt es schon. Bei Krebspatienten, die an schwerer krebsbedingter Auszehrung litten, stabilisierte sich das Gewicht durch Medikamente, die COX-2 hemmten: Sie nahmen wieder zu.

Auf eine Schlankheitskur per Eigenfetttransplantation müssen Übergewichtige aber noch Jahre warten. "Zunächst müssen wir testen, ob das überhaupt bei Mäusen funktioniert", sagt Müller-Decker. Den nächsten Schritt sieht sie optimistisch: "Menschliches und Mäusefett verhalten sich ziemlich ähnlich."

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