Übergewicht

Wampenschmelze auf dem Gipfel

Höhenluft macht schlank: In einer Studie speckten Übergewichtige auf der Zugspitze ab - ganz ohne Sport und ohne zu Hungern. Lässt sich dieser Effekt auch niedrigeren Lagen erzielen?

Gipfel, Höhenluft© Photocase/eyelabDen Anstoß für das Experiment gaben Mount-Everest-Bezwinger: Erfahrungsberichte hatten gezeigt, dass die Extremsportler in den eisigen Höhen Gewicht verloren - trotz reichlicher Kalorienzufuhr. "Natürlich mussten die Leute körperlich unglaublich viel leisten", erklärt Dr. Florian Lippl von der Uniklinik München in einem Pressegespräch. "Trotzdem haben wir uns gefragt, ob nicht auch die Höhenluft allein einen gewissen Effekt hat."

Zur Klärung dieser Frage schickten die Forscher 20 übergewichtige Männer für eine Woche auf Deutschlands höchsten Gipfel, die Zugspitze (1). In dem auf 2600 Metern gelegenen Schneeferner-Haus erhielten die Teilnehmer soviel zu essen wie sie wollten. Einzige Vorgabe: Sie sollten sich nicht mehr bewegen als sonst, was die Forscher per Schrittzähler kontrollierten.

Faulenzen und abspecken

Das Ergebnis war erfreulich: Im Schnitt verloren die Teilnehmer 1,5 Kilo. Dafür müsste man normalerweise mehr als 10.000 Kalorien einsparen oder rund 30 Stunden moderates Ausdauertraining betreiben. "In der dünnen Luft ist weniger Sauerstoff im Blut", erklärt Lippl den wundersamen Schlankeffekt. Das strengt an: Der Herzschlag beschleunigt sich, und man muss häufiger atmen. Außerdem schüttet der Körper in der Höhe mehr Leptin aus, ein Hormon, das den Hunger dämpft und den Fettstoffwechsel aktiviert.

Höhenluft macht fit

Wichtiger noch als die kurzfristige Gewichtsabnahme war jedoch, dass die Teilnehmer sich die verlorenen Pfunde im Tal nicht gleich wieder anfutterten. Ihr Gewicht war auch vier Wochen nach dem Experiment noch stabil. "Da unsere Probanden weiterhin einen Schrittzähler bei sich trugen, konnten wir nachweisen, dass sie sich mehr bewegten als vor dem Bergausflug", berichtet Lippl. Im Schnitt liefen sie täglich 800 Meter mehr. Der Forscher erklärt sich den gesteigerten Bewegungsdrang seiner Probanden mit der verbesserten Fitness: "Der Aufenthalt in der Höhe allein hat schon einen Trainingseffekt."

Auch Leistungssportler nutzen den Kraftschub durch die dünne Luft gezielt - durch Trainingseinheiten in Höhenlagen oder auch durch Training in spezielle Hypoxikammern, in denen die Luft sauerstoffärmer ist als üblich.

Simulierte Höhenlage

Die Münchner Wissenschaftler wollen nun testen, ob solche Räume auch Dicken helfen können, Gewicht zu verlieren und ein bisschen fitter zu werden. "Übergewichtige Menschen können sich oft nur schwer aufraffen, sich mehr zu bewegen, ganz einfach weil es für sie besonders anstrengend ist", erklärt Lippl. Dieser Teufelskreis ließe sich durch den Fitnesseffekt in der Hypoxikammer womöglich durchbrechen. In einem nächsten Experiment will der Forscher nun testen, was ein Aufenthalt von zwei Stunden täglich in der Hypoxikammer bei übergewichtigen Probanden bewirkt.

Einstiegshilfe für ein bewegtes Leben

Für einen deutlichen Gewichtsverlust ist ein längerer Aufenthalt in dünner Luft allerdings nicht geeignet: "Nach einiger Zeit gewöhnt sich der Körper an den Sauerstoffmangel", erklärt der Forscher. Bis dahin ließen sich immerhin einige Kilo quasi mühelos verlieren. Das kann schon ausreichen, um Blutdruck und Blutzuckerwerte zu verbessern. Und die zusätzliche Fitness hilft, mehr Bewegung ins Leben zu bringen. Letztlich ist das neben einer Ernährungsumstellung der eigentliche Schlüssel für eine dauerhaft schmelzende Wampe.

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